TEAMSPIRIT UND INTERNATIONALES FLAIR
VON KLAUS KLÜTTERMANN
Wenn einer im Juli nach Turin reist, während über Europa die Hitzewelle schwebt, weiß er, dass es ein anstrengendes und kräftezehrendes Turnier werden wird. Folglich hatten die Senioren aus 23 Nationen mit konstanten 33 Grad zu kämpfen.
Nichtsdestotrotz war Turin als Austragungsort der ESGA Europameisterschaft der Senioren-Championship & Cup 55+ eine ausgesprochen gute Wahl. Nicht nur schöne Golfplätze prägen die Region, sondern auch die Stadt selber und insbesondere der Teamaufenthaltsort Venaria Reale im Piemont boten viele Möglichkeiten, auch außerhalb des Golfsports etwas zu erleben. Die GSG trat mit zwei Teams an – Brutto und Netto – angeführt von den Kapitänen Dr. Michael Hohaus und Dr. Kai Daube.
Der Teamgeist begann unter Führung von Kapitän Michael Hohhaus, unterstützt durch Präsident Kai Daube und des mitgereisten GSG Geschäftsführers Jan Sippli, lange vor dem ersten Abschlag: Wochen zuvor wurden Poloshirts bestellt, Restaurantpläne geschmiedet, Tipps zu Trolleys, Schlägern und Clubjackets ausgetauscht.
Die Anreise verlief etwas holprig. Weil die ersten Ankömmlinge aufgrund einer Großbaustelle das Hotel mit dem NAVI nicht fanden, wurde von Thomas Kommerell erstmal eine Skizze in die Runde gesendet. Spannender wurde es dann noch für Ehepaar Klüttermann, weil das Hotel für ihre späte Anreise die Türen verriegelt hatte, den Schlüssel aber an der Rezeption hinterlegt hatte. Letztlich stand Thomas noch einmal auf und öffnete die Hoteltür.
Der Rest der Truppe kam erst einen Tag später an und so trafen sich 12 GSGler, teilweise in Begleitung ihrer Partnerinnen, im „Kipling“, einem wunderschönen Restaurant auf einem Platz in der Turiner Altstadt zum gemeinsamen Abendessen – Sundowner inklusive. Die deutschen Teams waren vollzählig und alle freuten sich auf schöne Runden Golf und die gemeinsamen Abende danach.



Am nächsten Tag ging es je nach Zuteilung vormittags oder nachmittags auf die Proberunde, die nicht nur die „Gefahren“ des Platzes, sondern temperaturbedingt auch die Notwendigkeit vieler Getränke auf der Runde vor Augen führte. Während das Bruttoteam die Freude hatte, auf dem „Blue“ Course spielen zu dürfen, auf dem drei Wochen zuvor die Italian Open stattgefunden hatten, wurde das Nettoteam auf den „Yellow“ Course geschickt. Ein sehr anspruchsvoller Platz mit sehr, sehr vielen Doglegs. Als Schwierigkeit erwies sich die Wahl der „Green“ Tees, die den Platz so sehr verkürzten, dass die Nutzung eines Drivers unmöglich wurde. Das folglich eher defensiv gestaltete Spiel war nicht immer einfach.
Nach der Proberunde erfolgte der offizielle Eröffnungsabend. 23 Nationen zogen in ihrer Clubuniform ein, Fahnen wurden hochgehalten, Begrüßungen in vielen Sprachen ausgesprochen – Gänsehautfeeling pur! Es war diese Mischung aus dem „Spirit of the Game“ und gelebter europäischer Freundschaft, die in diesem Turnier von Anfang an spürbar war. Viele Spieler kannten sich bereits Turnieren der Vorjahre, somit gab es reichlich Gelegenheit für den internationalen Austausch: Belgier, Portugiesen, Skandinavier, Italiener, Schweizer, Slowaken usw. – alle offen für Gespräche über Golferfahrungen, Reiseziele und die kleinen Technik-Geheimnisse, die nur Insider kennen. Besonders für die „Ersttäter“ war das ein Erlebnis, das weit über den sportlichen Teil hinausging.
Cool war der ESGA-HUB mit Live-Scoring. Ein Spieler pro Flight tippte die Ergebnisse nach Beendigung jeden Loches ins Smartphone. Anfangs ungewohnt, aber schnell Routine. „Spätestens, wenn man auf der 18 schon weiß, wie der Spielstand ist, will man das nicht mehr missen“, hörte man in der Runde. Gleichzeitig gab es den „Fans“ zu Hause die Möglichkeit aus der Ferne teilzunehmen und mitzufiebern, was für zusätzlichen Support sorgte.






Spieltage zwischen Sonne und Gewitterunterbrechungen: Einen Unterschied machte ganz klar die Startzeit. Während die „Morgengruppe“ nebst kühleren Temperaturen dennoch mit Mosquitos zu kämpfen hatte, war es für die „Nachmittagsgruppe“ eine Hitzeschlacht.
Tag 1: Das Bruttoteam spielte auf dem „Blue“ Course erste gute Ergebnisse ein. Das Nettoteam kämpfte mit der Umstellung auf eine defensive Spielweise und die Ergebnisse waren noch ausbaufähig. Bester Spieler des Tages war Rainer Gödecke mit einer 78.
Tag 2: Die Sonne legte noch eine Schippe drauf und die Gewitter kamen näher. Während von der Morgengruppe nur die letzten Spieler eine Gewitterunterbrechung hatten, wurde es für die letzten Spieler der Nachmittagsgruppe zu einer Odyssee. 3 Unterbrechungen von jeweils über einer Stunde führten zu Spielzeiten von 8 Stunden. Trotzdem kämpfte jeder um jeden Schlag. Bester Spieler des Tages wurde Klaus Klüttermann mit 32 Brutto- bzw. 37 Nettopunkten.
Tag 3: Finale. Die Spannung stieg. Während andere Nationen um die Pokale rangen, wollten die GSG-Teams noch ein paar Plätze gutmachen. Gesagt, getan, denn jeder im Nettoteam spielte mindestens 30 Punkte ein. Bester Spieler war Jens Ohlert (neuer Spitzname „Early Grey“) mit 28 Brutto- bzw. 35 Nettopunkten. Am Ende versüßte ein kühles Bier den Abschluss im Clubhaus und die Spieler die Erlebnisse nochmal Revue passieren lassen.
Das Rahmenprogramm bot reichlich Abwechslung, weil nicht nur Turin mit seinen endlosen Arkaden und majestätischen Bauwerken viel zu bieten hatte, sondern auch Venaria Reale mit guten Restaurants und einer „Team“-Eisdiele die Zeit schnell vergehen ließ. Und wie immer bei der GSG entwickelten sich in den Abendrunden an der Bar die besten Geschichten, manche in Begleitung von gutem schottischem Whiskey.



Der Galaabend fand in einem nahegelegenen Kongresszentrum neben dem Allianz-Stadion von Juventus Turin statt, wobei die GSG-Truppe sich erstmal vor Ottmar Osenstätters Wohnmobil zu einem kühlen Tegernseer traf. Ein italienisches Menü mit reichlich italienischem Wein sorgten für ein hervorragendes Ambiente bei der Ehrung der Siegerteams. Zwar stand Deutschland nicht auf dem Podest, konnte aber im Nachgang den Spielort Bad Saarow für das kommende Jahr mit einer sehr guten Videopräsentation vorstellen und damit bei vielen Teilnehmern Vorfreude erzeugen.
Ergebnisse und Sieger:
Unter 23 teilnehmenden Nationen belegte das deutsche Brutto-Team Rang 13, das Netto-Team Rang 10. Bester Brutto-Spieler der GSG: Hans-Dietrich Kühl (HLGC Hittfeld) auf Platz 38 mit 242 Schlägen. Bester Netto-Spieler: Klaus Klüttermann (GC Schloss Myllendonk) auf Platz 13 mit 100 Nettopunkten. An der Spitze triumphierte das Brutto-Team Italien, das sich wie im Vorjahr gegen Finnland durchsetzen konnte. Netto belegte Italien vor Spanien Rang 1.
Am Ende war klar: Der eigentliche Gewinn war das Miteinander. Ein großer Dank geht an den Kapitän Michael für seine perfekte Führung vor Ort sowie an die GSG-Geschäftsstelle in Ratingen für die Organisation.
Fazit: Turin hat den Teilnehmern Sonne, italienisches Flair und viel Freude geschenkt. Es wurde gelacht, gelernt, gespielt – und alle als Team zusammengeschweißt.
Alle Infos zu den Ergebnissen und ein sehenswertes Video finden Sie unter www.esgagolf.com – weitere Bildergalerien und Videoeindrücke erhalten Sie außerdem auf unserem Instagram Kanal: golf.senioren.gesellschaft

