MEHR ALS EIN LÄNDERSPIEL: 60 JAHRE FREUNDSCHAFT AUF HISTORISCHEM POLDERBODEN
VON PROF. ANDREAS BOGDANSKI
Es gibt sportliche Veranstaltungen, die mit der Siegerehrung enden. Und es gibt Begegnungen, deren eigentliche Bedeutung weit über das Endergebnis hinausreicht. Das Länderspiel zwischen der Golf Senioren Gesellschaft Deutschland GSG und den Nederlandsche Golf Veteranen NGV zählt zu den ganz besonderen Veranstaltungen. Was vor 60 Jahren begann, hat sich seit 1966 zu einer traditionsreichen internationalen Begegnung im europäischen Seniorengolf entwickelt. Dass das Jubiläums-Länderspiel 2026 beide Mannschaften in den Golfclub Zeewolde führte verlieh der Veranstaltung eine ganz besondere Symbolik.
Golf auf ehemaligem Meeresboden
Wer die Anlage des GC Zeewolde zum ersten Mal betritt, ahnt kaum, dass sich unter ihren Füßen einst der Meeresboden der Zuiderzee befand. Erst mit der Trockenlegung des südlichen Flevoland-Polders im Jahr 1968 entstand hier neues Land – eine der größten wasserbaulichen Leistungen der Menschheitsgeschichte. Aus Meer wurde Landschaft, aus Landschaft entstand Natur und schließlich eine Golfanlage, die heute zu den schönsten der Niederlande zählt. Die großzügigen Fairways, das viele Wasser, die beeindruckende Ruhe und die harmonische Einbindung in das Horsterwold vermitteln den Eindruck, als hätte dieser Platz schon immer existiert. Dabei ist er das Ergebnis visionärer Planung.
Eine Schlüsselfigur dieser Entwicklung ist Feije Jaski. Bereits Anfang der 1980er-Jahre gehörte er zu den Initiatoren des GC Zeewolde und prägte dessen Entwicklung entscheidend mit. Heute ist er Ehrenmitglied des Clubs und seit vielen Jahren Captain der Nederlandsche Golf Veteranen. Seine Persönlichkeit steht beispielhaft für das, was diesen Club und dieses Länderspiel auszeichnet: Bescheidenheit, Gastfreundschaft und die tiefe Überzeugung, dass Golf vor allem Menschen zusammenführt.
Ein Wiedersehen unter Freunden
Bereits am Anreisetag war spürbar, dass dieses Jubiläum weit mehr als ein sportlicher Wettkampf sein würde. Beide Mannschaften trafen sich im Clubhaus zu einem gemeinsamen Lunch. Niederländische Spezialitäten, herzliche Begrüßungen und viele vertraute Gesichter sorgten vom ersten Moment an für eine außergewöhnlich entspannte Atmosphäre. Man sprach über vergangene Länderspiele, erinnerte sich an gemeinsame Erlebnisse und freute sich sichtbar auf die kommenden Tage.
Anschließend erkundeten die Golf-Flights den hervorragend präparierten Golfplatz. Deutsche und Niederländer spielten freundschaftlich miteinander – nicht gegeneinander. Am Abend traf man sich erneut im Clubhaus. In ungezwungener Atmosphäre wurde gegessen, gelacht und diskutiert. Erst danach bezog die deutsche Mannschaft ihr Quartier im Golden Tulip Ampt van Nijkerk, wo der erste Tag bei sommerlichen Temperaturen auf der Hotelterrasse einen stimmungsvollen Ausklang fand.


Ein Vortrag, der beeindruckte
Der erste Spieltag begann mit einem außergewöhnlichen Programmpunkt: Vor dem Turnier nahm sich Prof. Dr. ir. Bart Schultz, einer der weltweit renommiertesten Experten für Wasserwirtschaft und Polderentwicklung, Zeit für beide Mannschaften.
Mit großer Fachkompetenz, beeindruckender Leidenschaft und einer angenehmen Leichtigkeit schilderte Prof. Dr. ir. Bart Schultz, einer der weltweit renommiertesten Experten für Wasserwirtschaft und Polderentwicklung, die Entstehung Flevolands, die Entwicklung des GC Zeewolde und die Bedeutung des Wassermanagements für die Niederlande. Besonders eindrucksvoll war seine Aussage, dass ein Polder nur durch ein dauerhaft funktionierendes System aus Deichen, Pumpwerken und Wasserläufen existieren könne. Den Teilnehmern wurde bewusst, dass sie auf historischem Boden Golf spielten – auf Land, das ohne den Mut und die Ingenieurskunst früherer Generationen niemals entstanden wäre.
Golf auf höchstem Niveau
Nach einem gemeinsamen Lunch begann der sportliche Teil des Länderspiels. Bei hervorragenden Platzbedingungen entwickelte sich ein hochklassiger Fourball-Bestball-Wettbewerb. Mit großer Fairness wurde um jeden Punkt gekämpft, ohne dass dabei jemals der freundschaftliche Charakter der Begegnung verloren ging. Das deutsche Team erreichte mit 12,5 zu 5,5 Punkten eine ausgezeichnete Ausgangsposition für den Finaltag.
Nach der Runde trafen sich beide Teams auf der Terrasse des Golfclubs. Traditionelle niederländische Snacks, kühle Getränke und viele Gespräche sorgten erneut für eine entspannte Atmosphäre. Der Abend führte beide Mannschaften in das stilvolle Restaurant Summum am Hafen von Nijkerk. Bei hervorragender Küche, guten Weinen und Blick auf das Wasser entwickelte sich ein Abend voller Herzlichkeit und gegenseitiger Wertschätzung. Ein besonderes Gastgeschenk konnte der GSG-Kapitän an alle Teilnehmer überreichen: Einen dem Anlass entsprechend gravierten „Flachmann“ – von Michael Frermery gestiftet.



Ein ĂĽberzeugender deutscher Erfolg
Am Finaltag standen zwölf Einzelmatches nach traditionellem Länderspielmodus auf dem Programm. Die deutsche Mannschaft knüpfte dabei nahtlos an ihre starke Leistung des Vortages an und überzeugte mit konzentriertem, geschlossenem Mannschaftsspiel. Am Ende stand ein deutlicher 41 zu 13-Erfolg der deutschen Golfsenioren am Leaderboard und spiegelte die hervorragende Leistung des GSG-Teams wider.
Zwei Kapitäne als Botschafter einer Idee
Ein besonderes Verdienst an diesem gelungenen Jubiläum gebührt den beiden Kapitänen. Dr. Joachim Brunswicker und Feije Jaski hatten dieses Länderspiel mit großer Sorgfalt vorbereitet und organisiert. Beide verbindet die Überzeugung, dass der Golfsport weit mehr ist als ein Wettkampf. Mit großem persönlichem Einsatz, gegenseitigem Vertrauen und sichtbarer Wertschätzung schufen sie den würdigen Rahmen für ein Jubiläum, das allen Beteiligten lange in Erinnerung bleiben wird. Das Jubiläums-Länderspiel 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, weshalb diese Begegnung seit nunmehr 60 Jahren Bestand hat.
Pokale wechseln ihren Besitzer. Freundschaften bleiben.
